Auswirkungen der Pandemie auf das internationale Geschäft

1. Neue Kontaktstelle für internationale Lieferketten-Hemmnisse

Die Industrie- und Handelskammern unterstützen Bund und Land bei der Identifizierung der Hemmnisse im EU-Binnenmarkt und in Drittstaaten.
Unternehmen, die über Pandemie bedingte Beschränkungen zu Lasten von Liefer-
und Wertschöpfungsketten berichten können, sollten uns diese Beispiele melden.
Mehr zum Thema erfahren Sie hier.

2. Aktuelle Einreisebestimmungen in der EU und weltweit

Erkundigen Sie sich bei notwendigen Reisen vor Reiseantritt bei der Vertretung Ihres Reiseziels nach aktuellen Einreise- und möglichen Quarantänebestimmungen, Einreisesperren und die gültigen Hygienevorschriften.
Welche Einreisebestimmungen und vor allem auch Ausnahmeregelungen für die jeweiligen Länder in der EU und weltweit bestehen, finden Sie unter anderem bei folgenden Quellen heraus:
Dienstleistungserbringung (Entsendung):
In die deutschen Nachbarländer sowie in die meisten EU- und Schengen-Staaten sind Entsendungen weiterhin oder wieder möglich. Dennoch sind die Auflagen der einzelnen EU-Länder zu beachten oder aufgrund von Einreisebeschränkungen bestimmte Nachweise und Formulare notwendig. Informationen finden Sie hier.
Der reine Warentransport bleibt weiterhin in allen EU-Ländern möglich.
Dienstleistungserbringung außerhalb der EU bleibt weiterhin schwierig. Soll es einen Grenzübergang geben, um im Ausland einen Werkvertrag zu erfüllen, also beispielsweise die Reparatur einer Maschine oder Montageleistungen, so ist der Grenzübertritt in vielen Ländern derzeit nicht möglich. Genauso sind grenzüberschreitende Arbeitnehmerentsendungen momentan höchst problematisch.
Einreise nach Deutschland:
Aufgrund der Covid-19-Pandemie bestehen für Deutschland Reisebeschränkungen bei der Einreise aus vielen Staaten. Auch gilt bei der Einreise aus vielen Ländern die Pflicht sich für 14 Tage in Quarantäne zu begeben.
Informationen zu den aktuellen Einreisebestimmungen finden Sie auf der Webseite des Auswärtigen Amts oder des BMI.
Weitere Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Einreise nach Deutschland finden Sie bei der Bundespolizei.
Daneben sind die Verordnungen der einzelnen Bundesländer (Verordnung in Thüringen) bzw. die Allgemeinverfügungen der Landkreise zu berücksichtigen.
Quarantänemaßnahmen für Ein- und Rückreisende des Freistaates Thüringen:
(1) Personen, die auf dem Land-, See- oder Luftweg aus dem Ausland nach Thüringen einreisen und sich zu einem beliebigen Zeitpunkt innerhalb von 14 Tagen vor Einreise in einem Risikogebiet nach Absatz 4 aufgehalten haben, sind verpflichtet, sich unverzüglich nach der Einreise auf direktem Weg in die eigene Häuslichkeit oder eine andere geeignete Unterkunft zu begeben und sich für einen Zeitraum von 14 Tagen nach ihrer Einreise ständig dort abzusondern; dies gilt auch für Personen, die zunächst in ein anderes Land der Bundesrepublik Deutschland eingereist sind. […]
(4) Risikogebiet im Sinne des Absatzes 1 ist ein Staat oder eine Region außerhalb der Bundesrepublik Deutschland, für welche zum Zeitpunkt der Einreise in die Bundesrepublik Deutschland ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht. Die Einstufung als Risikogebiet erfolgt durch das Bundesministerium für Gesundheit, das Auswärtige Amt und das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und wird durch das Robert Koch-Institut veröffentlicht.
Maßnahmen einzelner Länder:
Ab sofort stellen die AHKs einen umfassenden Überblick über drängende Fragen während der Corona-Krise und ihre Auswirkungen auf Handel und Wirtschaft weltweit zur Verfügung. Die jeweiligen Länderinformationen finden Sie hier.
Die neue Website "Re-open EU" der EU-Kommission gibt ab sofort laufend aktualisierte Informationen über Reisen und Urlaub in der EU, unter anderem zu Verkehrsmitteln, Reisebeschränkungen und Regeln zum Schutz der öffentlichen Gesundheit wie Abstandsregeln und Tragen von Gesichtsmasken.
In insgesamt 31 Ländern ist seit dem 15.06.2020 freies Reisen ohne Grenzkontrollen und Beschränkungen der Freizügigkeit wieder möglich. Die Einreisebeschränkungen werden durch individuelle Reiseempfehlungen ersetzt. Zu den Ländern zählen alle EU-Staaten, Island, Liechtenstein, Norwegen und Schweiz sowie die Kleinstaaten Andorra, Monaco, San Marino und Vatikanstadt.
Da das Infektionsgeschehen derzeit wieder an Fahrt aufnimmt, können je nach Situation dennoch in einzelnen Ländern weiterhin Einreisebeschränkungen und Quarantänemaßnahmen erfolgen, auch ohne Vorankündigung. Vor jeder Reise in ein Land sollten daher vorab die aktuellen Bedingungen geprüft werden.

3. Einschränkungen im internationalen Warenverkehr

Gibt es aktuell Beschränkungen beim Import oder Export?
Aktuell gibt es wegen der Corona-Pandemie keine länderspezifischen Ein- oder Ausfuhrbeschränkungen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat eine Einschätzung zur Übertragung des Coronavirus durch (importierte) Gegenstände veröffentlicht. Demzufolge ist die Wahrscheinlichkeit äußerst gering, dass das Coronavirus über importierte Waren übertragen werden könnte. Allerdings gibt es erhebliche logistische Probleme und Verzögerungen.
Leitlinien zu Kontrollen an den Binnengrenzen:
Um Störungen in der Lieferkette zu vermeiden, sollen die EU-Mitgliedsstaaten eine priorisierte Fahrspur für den Güterverkehr ausweisen. Im Fokus steht der Schutz der Gesundheit der EU-Bürger sowie die Verfügbarkeit von Waren und essentiellen Dienstleistungen. Für Waren, die sich rechtmäßig im EU-Binnenmarkt bewegen, sollten keine zusätzlichen Zertifizierungen vorgeschrieben werden. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit gibt es keine Hinweise darauf, dass Lebensmittel eine Quelle oder eine Übertragungsquelle für COVID-19 sind. Die Leitlinie finden Sie auf der Seite der EU-Kommission.
Nichtsdestotrotz ist derzeit mit Wartezeiten an den (Binnen-) Grenzübergängen zu rechnen. Die folgende Übersicht gibt einen Überblick über die aktuellen Staumeldungen an den Grenzen.

4. Ausweitung der Länder für Exportkreditgarantien

Die staatlichen Exportkreditgarantien sind ein wichtiges und altbewährtes Außenwirtschaftsförderinstrument der Bundesregierung. Sie sichern Exporteure gegen wirtschaftlich oder politisch bedingte Forderungsausfälle ab und sind vielfach Grundlage für die Finanzierung eines Exportgeschäfts durch Kreditinstitute.
Ab sofort können Exportgeschäfte zu kurzfristigen Zahlungsbedingungen (bis 24 Monate) auch innerhalb der EU und in bestimmten OECD-Ländern mit staatlichen Exportkreditgarantien abgesichert werden, um die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie für Exporteure zu begrenzen. Insbesondere mögliche Engpässe im privaten Exportkreditversicherungsmarkt können so aufgefangen werden.
Ermöglicht wird dies durch einen Beschluss der Europäischen Kommission vom 27.03.2020, die Bestimmungen der sog. Kurzfristmitteilung zu ändern. Damit wird die Liste der marktfähigen Risiken, also der Länder, für die normalerweise keine Absicherung durch staatliche Exportkreditgarantien zulässig ist, vorübergehend gestrichen. Die Kommission hat damit schnell und flexibel auf die Bitten mehrerer Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland, reagiert. Sie hat den Mitgliedstaaten die Möglichkeit eröffnet, zeitnah und entschlossen zu reagieren, sollten sich private Exportkreditversicherer als Reaktion auf die Corona-Pandemie zurückziehen.
Begünstigte Länder sind neben der EU auch Australien, Island, Japan, Kanada, Neuseeland, Norwegen, Schweiz, USA und das Vereinigte Königreich.
Die erweiterten Deckungsmöglichkeiten sind zunächst bis zum 31.12.2020 befristet.
Einzelheiten zu den erweiterten Deckungsmöglichkeiten für das Kurzfristgeschäft finden sich auf den Internetseiten des Mandatars des Bundes.
Zum 1. Juli 2020 traten nun weitere Maßnahmen in Kraft, die darauf abzielen, die Liquiditätssituation von Exporteuren und Importeuren zu verbessern, die Finanzierung von Geschäften zu erleichtern und die Refinanzierungsmöglichkeiten von Banken auszuweiten. Dieses 5-Punkte-Maßnahmenpaket wurde im engen Austausch mit der deutschen Exportwirtschaft sowie Banken und Unternehmensverbänden entwickelt.
Das Paket umfasst folgende Maßnahmen:
  • Verbesserte Finanzierungsmöglichkeiten für neue Exportgeschäfte
  • Einführung einer Shopping-Line-Deckung (unbefristet)
  • Erleichterungen bei den Entgelten für Exportkreditgarantien
  • Verbesserte Refinanzierungsmöglichkeiten für exportfinanzierende Banken
  • Weitere technische Verbesserungen bei den Exportkreditgarantien

Weitere Informationen zum 5-Punkte-Maßnahmenpaket, zu den erweiterten Absicherungsmöglichkeiten und zur aktuellen Deckungspraxis finden Sie zudem auf der Website AGA.PORTAL.DE - Themenschwerpunkt Coronavirus.

5. C-19 Internationale Angebote, Gesuche, Kooperationen

Um Unternehmen, Initiativen und weitere Akteure zusammenzubringen, Angebote und Gesuche abzugleichen und Entwicklungspartner zu finden, gibt es inzwischen diverse Plattformen zur nationalen wie internationalen Kontaktanbahnung.
Hier können Sie auch eigene Profile und Gesuche bzw. Angebote veröffentlichen:
Kooperationsplattform des Enterprise Europe Network mit Angeboten und Gesuchen von Medizintechnikunternehmen, Austausch von Best Practices sowie von Ideen und Ansätzen. Das Online-Portal wurde vom EEN Flandern und der flämischen Landesregierung eingerichtet, die IHK Erfurt / EEN ist Coorganiser und validiert die Profile der Thüringer Unternehmen und Einrichtungen.
Kontakt: Eva-Maria Nowak, Tel. 0361 3484-401, eva-maria.nowak@erfurt.ihk.de
Online-Marktplatz des Innovationsnetzwerks Südwesttextil, AFBW Allianz Faserbasierter Werkstoffe Baden-Württemberg e. V., Techtex Neckaralb.
Anbieter von Schutzausrüstung, vor allem Masken, werden hier vernetzt.
Online-Plattform des Medizintechnik-Clusters MedicalMountains GmbH in Tuttlingen/Baden-Württemberg. Das Portal listet Angebote und Gesuche von medizinischen Produkten sowie Produktionskapazitäten.
Diese EU-Plattform informiert und unterstützt den Austausch der Akteure der industriellen Clustergemeinschaft. Inhalt: Angebote und Gesuche zum Beispiel von Atemschutzmasken und Ventilatoren zur Weiterleitung an die Europäische Kommission.
Das EU-Portal für öffentliche Ausschreibungen oberhalb der Schwellenwerte TED erleichtert den Zugang zu Ausschreibungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie. Mit einem Klick erhalten die Nutzer eine Liste der Ausschreibungen im Bereich der medizinischen Ausrüstung und des Gesundheitsschutzes. Die Übersicht spiegelt die Bedürfnisse der Gesundheitsdienste und Behörden wider und gibt somit Hinweise auf aktuelle wie auf längerfristige Geschäftschancen.

6. Coronakrise und Exportförderung: Wie reagiert welches Land?

In der Coronakrise versuchen nationale Regierungen, die Wirtschaft ihres Landes zu unterstützen. Dies geschieht zum Teil auch durch Anpassungen in der Außenwirtschaftsförderung.
Germany Trade & Invest (GTAI) hat die coronabedingten Sondermaßnahmen im Bereich der Außenwirtschaftsförderung in zwölf ausgewählten Staaten untersucht.
Die in dem Artikel aufgeführten Übersichten beleuchten relevante Teilbereiche der nationalen Fördersysteme, bieten aber keinen vollständigen Gesamtüberblick über die jeweilige Förderlandschaft.
Den vollständigen Artikel finden Sie auf der Webseite von GTAI.
Quelle: GTAI, 04.09.20202