Neue Pläne zum Berufsschulnetz

IHK warnt: Ländlicher Raum wird abgehängt -  Hinweise von betroffenen Ausbildungsunternehmen sind willkommen
Sowohl die Struktur des Berufsschulnetzes als auch die Koordinierung der Berufsausbildung in Thüringen sind reformbedürftig. Für eine Neustrukturierung laufen in Thüringen derzeit die ersten Planungen. Nachdem zuletzt 2017/18 eine grundlegende Neustrukturierung des Schulnetzes der staatlichen berufsbildenden Schulen vorgenommen wurde, sind für das Schuljahr 2022/23 erneut größere Veränderungen vorgesehen.
Das Thüringer Bildungsministerium will berufsfeldbezogene Schwerpunktschulen für immer mehr Berufsfelder schaffen. Als Gründe werden einerseits rückläufige Personalressourcen und die demografische Entwicklung, aber auch eine veränderte Angebots- und Nachfragesituation auf dem Ausbildungsmarkt angeführt.
Konkret sollen einzelne Ausbildungsberufe innerhalb eines Berufsfelds örtlich zusammengefasst und die bestehenden Einzugsbereiche der Schulen perspektivisch abgeschafft werden. Das Ministerium will damit die vorhandenen Fachlehrer konzentrieren, die Spezialisierung der Einrichtungen vorantreiben und gezieltere Investitionen der Schulträger ermöglichen. So soll Unterrichtsausfall vermieden und die Ausstattung der Berufsschulen verbessert werden.
„Was betriebswirtschaftlich durchaus sinnvoll ist, führt am Ende zu längeren Wegen für Azubis und macht Ausbildung vor allem im ländlichen Raum sehr viel unattraktiver, mit dramatischen Folgen für die dortigen Unternehmen“, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Höhne. Weniger Azubis bedeuten perspektivisch weniger Fachkräfte.
Die IHK Ostthüringen ruft Unternehmer auf, ihre Meinungen und Erfahrungen zur geplanten Neustrukturierung der Berufsschulstandorte zu schildern und so aktiv in den laufenden Diskussionsprozess einzubringen. Ende Mai wird die IHK eine erste Stellungnahme abgeben. Deshalb ist jeder noch so kleine Hinweis der Ausbildungsbetriebe wichtig.
Unternehmen können ihre Meinung zu den Vorschlägen für ein neues Berufsschulnetz der IHK per Mail an brumme@gera.ihk.de bzw. per Telefon unter 0365/8553213 mitteilen. Weitere Infos unter www.gera.ihk.de/Berufsschulnetz.
Die für Ostthüringen wesentlichen Planungen – geordnet nach den betroffenen Berufen – hat die IHK folgendermaßen zusammengefasst:
Berufsfeld Wirtschaft/Verwaltung:
  • Bankkaufleute: Aufhebung des Standorts Saalfeld-Rudolstadt und Umleitung der Azubis nach Jena
  • Kaufleute für Büromanagement: Aufhebung der Standorte Greiz-Zeulenroda und Altenburg
  • Kaufleute für Versicherungen und Finanzen: Aufhebung des Standorts Gera und Umleitung der Azubis in eine Landesfachklasse nach Erfurt
  • Kaufleute im E-Commerce: Landesfachklasse in Jena bis einschließlich Fachstufe I wird favorisiert
  • Kaufleute im Einzelhandel: Aufhebung des Standorts Schleiz und Umleitung der Azubis nach Gera
  • Kaufleute im Groß- und Außenhandel: Aufhebung des Standorts Altenburg und Umleitung der Azubis in eine Landesfachklasse nach Jena
Berufsfeld Metalltechnik:
  • Gießereimechaniker: Aufgabe des Standorts Gera und Zuordnung der Azubis nach Wernigerode (Sachsen-Anhalt)
  • Zerspanungsmechaniker: Aufhebung des Standorts Altenburg, dafür Stärkung der Metallstandorte Jena und Rudolstadt, eventuell Gera als Standort für Metallberufe
Berufsfeld Fahrzeugtechnik:
  • Kraftfahrzeugmechatroniker (SP System- und Hochvolttechnik): Landesfachklasse in Gera für die Fachstufen II bis III
  • Land- und Baumaschinenmechatroniker: Verlagerung von Altenburg nach Gera
Berufsfeld Elektrotechnik:
  • Industrieelektriker (beide Fachrichtungen): Standortwechsel von Schleiz nach Gera oder Jena
Berufsfeld Ernährung:
  • Koch: Aufhebung des Standorts Greiz-Zeulenroda
Sonstige Berufe:
  • Produktionstechnologe: Fortführung des (thüringenweit einzigen) Standorts in Ilmenau wird diskutiert.
30.04.2020, ba