Anhusten am Arbeitsplatz

Wer bewusst einen Kollegen aus nächster Nähe anhustet und äußert, er hoffe, dass dieser Corona bekäme, verletzt in erheblicher Weise die dem Arbeitsverhältnis innewohnende Rücksichtnahmepflicht gegenüber seinem Kollegen. Wenn der Arbeitnehmer dann auch im Übrigen deutlich macht, dass er nicht bereit sei, die Arbeitsschutzvorschriften einzuhalten, genügt auch keine Abmahnung.

Nichteinhalten der betrieblichen Infektionsschutzregeln

Dem Urteil des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf vom 27. April 2021 lag folgender Fall zugrunde. Aufgrund der Corona-Pandemie stellte die Arbeitgeberin im März 2020 einen internen Pandemieplan auf, der u.a. Abstandsregelungen der Mitarbeiter untereinander und das Bedecken von Mund und Nase beim Husten oder Niesen mit einem Papiertaschentuch oder Ärmel als Verhaltensregel vorsah. Die Mitarbeiter wurden auf verschiedenen Kanälen über diese Regelungen informiert. Die Arbeitgeberin kündigte einem Mitarbeiter in der Folgezeit fristlos, da sie erhebliche Verstöße gegen diese Verhaltensregeln festgestellt habe. Zum einen habe ihr der Mitarbeiter in Gesprächen signalisiert, dass er die Maßnahmen „nicht ernst nehme“ und diese nicht einhalten werde. Zum anderen soll der Mitarbeiter einen Kollegen vorsätzlich und ohne jegliche Barriere aus einem Abstand von einer halben bis maximal einer Armlänge angehustet und sinngemäß gesagt haben, er hoffe, dass der Kollege Corona bekäme.

Verhalten bedarf keiner vorherigen Abmahnung

In diesem konkreten Fall obsiegte der gegen die Kündigung klagende Mitarbeiter, da die Arbeitgeberin die behaupteten Verstöße nicht beweisen konnte. Allerdings stellte das Gericht klar, dass das Verhalten des Arbeitnehmers einen Kündigungsgrund – ohne vorherige Abmahnung - darstellen kann. Werden lediglich Abstandsregeln verletzt, sei eine Abmahnung ausreichend.
Weitere Einzelheiten können der Pressemitteilung 11/21 des LAG Düsseldorf vom 27. April 2021 entnommen werden.