Werklieferung oder doch Werkleistung?

In der Praxis stellt sich regelmäßig die Frage, ob eine reguläre Warenlieferung, eine Werklieferung oder eine Werkleistung vorliegt, da sich hieraus unterschiedliche Konsequenzen ergeben. Die Abgrenzung dieser Leistungsarten und die Einordnung der Werklieferung als Lieferung hat nicht nur Einfluss auf die zutreffende Bestimmung des steuerlichen Leistungsorts oder eine zu gewährende Steuerbefreiung, sondern ist auch für die korrekte Festlegung des tatsächlichen Steuerschuldners maßgeblich.
Bislang war nach Auffassung der Finanzverwaltung umsatzsteuerlich eine Werklieferung anzunehmen, wenn der Werkhersteller für das Werk selbstbeschaffte Stoffe verwendet, die nicht nur Zutaten oder sonstige Nebensachen sind. Die Finanzverwaltung hat diese Auffassung vor dem Hintergrund des Urteils des Bundesfinanzhofes vom 22.09.2013 (Az.: V R 37/10) angepasst. Das Gericht entschied, dass Eine Werklieferung nur vorliegt, wenn der Werkhersteller für das Werk einen fremden Gegenstand be- oder verarbeitet und dafür selbstbeschaffte Stoffe verwendet, die nicht nur Zutaten oder sonstige Nebensachen sind.
Verarbeitung ausschließlich eigener Gegenstände ist keine Werklieferung
Nach dem aktuellen BMF-Schreiben vom 1. Oktober 2020 greift daher nun eine zusätzliche Voraussetzung: Der Werkshersteller muss im Zusammenhang mit dem Werk auch einen fremden Gegenstand be- oder verarbeiten. Eine Be- oder Verarbeitung ausschließlich eigener Gegenstände rechtfertigt damit die Annahme einer Werklieferung nicht mehr.
Übergangsregelung bis Ende des Jahres 2020
Diese Anpassung ist grundsätzlich bereits jetzt für alle offenen Fälle zu berücksichtigen. Das BMF-Schreiben enthält jedoch eine Nichtbeanstandungsregelung: In allen Fällen vor dem 1. Januar 2021 entstandener gesetzlicher Umsatzsteuer können Unternehmer die Umsätze – auch für Zwecke des Vorsteuerabzugs und Fälle des § 13b UStG – entsprechend der bisherigen Anforderungen behandeln.