Regionale Wirtschaft: Unternehmen zwischen Zuversicht und Sorge

IHK Ostthüringen sieht Erholungsprozess mit Risiken verbunden
Die Corona-Pandemie belastet weiter die Ostthüringer Wirtschaft. Trotz Zeichen der Erholung ist es für viele Firmen noch ein längerer Weg zurück zur vollen Geschäftstätigkeit. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Ostthüringen, an der sich 436 Unternehmen mit insgesamt 16.200 Beschäftigten beteiligt haben.
Die Stimmung der Ostthüringer Unternehmer ist im Herbst noch weit entfernt von dem Vor-Corona-Niveau. Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der Lage und Erwartungen der Unternehmen erfasst, liegt aktuell 18 Punkte unter dem Niveau zu Jahresbeginn. Dennoch hat ein größerer Teil der Wirtschaft die Corona-Krise bisher verhältnismäßig gut verkraftet: 35 Prozent der befragten Unternehmer bewerten ihre wirtschaftliche Situation als gut, weitere 40 Prozent kommen zu einem befriedigenden Urteil.  
Der Erholungsprozess der Wirtschaft ist aus Sicht der Ostthüringer Unternehmer mit Risiken verbunden. Ein möglicher zweiter Lockdown, der anhaltende Handelsstreit zwischen den USA und China, das Hin und Her beim EU‑Austritt Großbritanniens lassen die Sorge um die Nachfrage im In- wie Ausland steigen. Die Erwartungen der Unternehmen für die nächsten Monate fallen daher zurückhaltend aus. Während 22 Prozent der Betriebe von besseren Geschäften ausgehen, rechnen 29 Prozent der Firmen mit einer ungünstigeren Entwicklung.
Skepsis herrscht vor allem in der Tourismuswirtschaft, in geringerem Maße auch in der Baubranche und im Handel. Zuversichtlicher präsentieren sich das Verkehrs- und Dienstleistungsgewerbe sowie die Industrie; hier überwiegen die optimistischen Einschätzungen gegenüber den negativen Erwartungen.
Die regionalen Ergebnisse analysiert:
Trotz Pandemiebedingter Einschnitte bei den Auftragseingängen und Umsätzen sind die Unternehmen in der kreisfreien Stadt Gera mehrheitlich mit ihrer Situation zufrieden.
Jeder dritte Betrieb schätzt seine Geschäftslage als gut ein, 21 Prozent äußern sich unzufrieden. 71 Prozent der Befragten erzielen derzeit Gewinne oder wirtschaften zumindest kostendeckend.
Beim Blick in die Zukunft überwiegt indes die Skepsis. Lediglich 14 Prozent der Unternehmer erwarten eine bessere Entwicklung in den kommenden Monaten. Entsprechend zurückhaltend fällt die Investitions- und Einstellungsbereitschaft bei den Geraer Firmenchefs aus: Zwei von fünf Unternehmen haben ihr Investitionsbudget gekürzt oder planen gar keine Ausgaben. Ein Personalaufbau ist bei 13 Prozent der Geraer Betriebe vorgesehen, während elf Prozent der Befragten Stellen streichen müssen.
Die Wirtschaft in der kreisfreien Stadt Jena sieht Licht am Ende des Corona-Tunnels. Die Erwartungen der Unternehmen sind im regionalen Vergleich am optimistischsten: 35 Prozent der Befragten rechnen mit einer günstigeren, 19 Prozent mit einer schlechteren Entwicklung.
Allerdings wird die aktuelle Lage noch immer deutlich schlechter bewertet als zu Jahresbeginn. Der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen der Geschäfte liegt mit einem Punkt im negativen Bereich. Bei zwei von fünf Befragten sind die Auftragseingänge und Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Die Nachfrage nach Personal ist in der Lichtstadt im Ostthüringer Vergleich am größten. Um die Auswirkungen der Pandemie abzufedern, sparen die Unternehmen jedoch bei den Investitionen. Jeder zweite Befragte hat geplante Ausgaben gekürzt oder gänzlich ausgesetzt.
Die Wirtschaft im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt hat die Corona-Krise bisher vergleichsweise gut verkraftet. 41 Prozent der Unternehmen bewerten ihre wirtschaftliche Situation als gut, nur 17 Prozent melden eine schlechte Geschäftslage. Ein Drittel der Umfrageteilnehmer arbeitet bereits wieder auf oder über dem Vor-Corona-Niveau. Für zwei Drittel der Unternehmen ist die Rückkehr zur vollen Geschäftstätigkeit jedoch mit den genannten Risiken verbunden.
Der Ausblick auf die kommenden Monate ist daher verhalten: 22 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer besseren, 24 Prozent mit einer schlechteren Geschäftsentwicklung. Entsprechend vorsichtig sind die Firmen derzeit bei Neueinstellungen. Nur sieben Prozent der Betriebe im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt planen mit zusätzlichem Personal. Zudem werden Investitionen vielfach zurückgestellt.
Auch im Saale-Holzland-Kreis präsentiert sich die Wirtschaft verhältnismäßig robust. Zwar melden 61 Prozent der Betriebe Umsatzrückgänge gegenüber dem Vorjahr. Ihre derzeitige wirtschaftliche Lage bewerten jedoch 79 Prozent Unternehmen mit befriedigend oder besser. Bei zwei von fünf Umfrageteilnehmern liegt die Kapazitätsauslastung schon wieder auf oder über dem Niveau wie zu Jahresbeginn.
Aus Sicht der Wirtschaft im Saale-Holzland-Kreis scheint die Talsohle durchschritten: Die Ausblicke der Unternehmen sind per Saldo positiv. 37 Prozent der Befragten erwarten steigende Umsatzzahlen, während 16 Prozent mit einem Rückgang rechnen. Mit Investitionen halten sich die Unternehmen rund um das Hermsdorfer Kreuz jedoch zurück. Nur 12 Prozent der Firmenchefs planen mit steigenden Ausgaben.
Die Stimmung der Wirtschaft im Saale-Orla-Kreis ist im Herbst noch immer deutlich schlechter als zu Jahresbeginn. 40 Prozent der Befragten sind mit ihren aktuellen Geschäften unzufrieden. Zu Jahresbeginn äußerten sich lediglich 13 Prozent der Unternehmen entsprechend. Derzeit registrieren zwei Drittel der Betriebe im Landkreis ein im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangenes Auftragsvolumen. Folglich ist auch die Kapazitätsauslastung bei vielen Unternehmen rückläufig.
Die Hälfte der Befragten erwartet keine schnelle Rückkehr zur Normalität der Geschäfte. Der Ausblick ist daher sehr verhalten: Während 21 Prozent der Unternehmen eine bessere Entwicklung erwarten, zeigen sich 44 Prozent pessimistisch.
Die Auswirkungen der Pandemie sind auch im Landkreis Greiz deutlich: Drei von fünf Firmen verzeichnen weniger Auftragseingänge als im Vorjahreszeitraum. Bei jedem zweiten Betrieb sind die Gewinne geschmolzen. Betrug der Saldo aus positiven und negativen Lageurteilen zu Jahresbeginn noch 51 Punkte, so sind es aktuell neun Punkte.
Auf der Erwartungsseite überwiegen die skeptischen Stimmen: 16 Prozent der Befragten rechnen mit einer besseren, 35 Prozent mit einer ungünstigeren Geschäftsentwicklung. Die Personal- und Investitionspläne der Firmen im Landkreis Greiz sind daher konservativ.
Ein Viertel der Unternehmen im Altenburger Land arbeitet inzwischen wieder auf oder über dem Vor-Krisen-Niveau. 40 Prozent der Befragten bewerten ihre wirtschaftliche Situation als gut, 28 Prozent berichten dagegen von schlechten Geschäften. Drei Viertel der Betriebe erzielen aktuell Gewinne oder wirtschaften kostendeckend. Im Vergleich zum Vorjahr müssen allerdings 39 Prozent der Befragten mit Auftragsrückgängen umgehen. Zwei von fünf Betrieben erzielen weniger Umsatz als im Vergleichszeitraum 2019. Die Industrie im Landkreis musste nach Angaben des Thüringer Landesamts für Statistik im Zeitraum Januar bis Juli Umsatzeinbußen von 19 Prozent hinnehmen.
Die Unternehmer im Altenburger Land rechnen mit einem langwierigen Erholungsprozess – ihr Ausblick ist daher überwiegend zurückhaltend. Lediglich 13 Prozent der Firmen gehen von einer günstigeren Entwicklung aus. Ein größerer Personalaufbau ist im Altenburger Land einstweilen nicht zu erwarten. Zudem hat jedes zweite Unternehmen im Landkreis sein Investitionsbudget gekürzt oder ganz gestrichen.
15.10.2020, ba