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IHK-Präsident Bauerfeind: Thüringer Expertise statt Steuergelder für Gutachten
Die für 2010 geplante Neuverschuldung des Freistaates Thüringen liegt bei 880 Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund müsse jede geplante neue Aufgabe und damit verbundene zusätzliche Steuermittel genauestens geprüft werden, betont der Ostthüringer IHK-Präsident Prof. Hans B. Bauerfeind.
„Eine neue Landesregierung muss nicht alles neu erfinden. Es kommt Thüringen teuer zu stehen, vorhandene Expertise zu ignorieren”, so Bauerfeind. Im aktuellen Haushaltsplan spiegelt sich ein solcher Ansatz jedoch noch nicht wider. Im Gegenteil: Das Thüringer Wirtschaftsministerium schreibe teure Studien und Gutachten aus. Es wäre besser und vor allem viel sparsamer, Fachleute in den Ministerien, Experten von STIFT, Thüringer Technologieinstituten, Kammern und die in deren Fachausschüssen aktiven Unternehmer einzubinden. Wir haben mindestens in den vergangenen 20 Jahren in der Thüringer Wirtschaft genügend Wissen aufgebaut und entwickeln auch weiterhin Zukunftsideen und innovative Technologien in und für Thüringen. Darauf sollte man im Thüringer Wirtschaftsministerium setzen”, erklärt der IHK-Präsident.
Nicht für disziplinierte Haushaltspolitik spricht aus Sicht der IHK auch die mit zwei Millionen Euro geplante „Thüringer Energie- und Greentech-Agentur” (ThEGA). Hier werde ein „Obercluster” künstlich auf vorhandene innovative und professionell organisierte Cluster aufgesetzt, die nicht erst seit gestern gut miteinander kooperieren, da wo es sinnvoll ist. „Cluster leben durch die Mitgliedsfirmen. Kooperation ist deren unternehmerisches Selbstverständnis, gerade bei unseren Mittelständlern”, so Prof. Bauerfeind.
Ganz unverständlich ist für den IHK-Präsidenten Bauerfeind eine über die Greentech-Agentur geplante Dauerausstellung moderner Technologien bei der LEG in Erfurt. Dies erinnere ihn ein wenig an die „Allunionsausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft” in der früheren Sowjetunion. Besser wäre z. B. eine befristete Förderung regionaler Messe für die Unternehmen, nicht nur des Handwerks. Das wäre ein wirksamerer Beitrag für die vom Ministerium geforderten Binnenmarktimpulse.
Die für die Green-Tech- Agentur geplanten Berater für moderne Umwelttechnologien hält der IHK-Präsident für eine weitere Wettbewerbsverzerrung und Geldvernichtung. „Das können unsere beratenden Ingenieure, die Ingenieurbüros und viele Handwerksbetriebe besser”. Prof. Bauerfeind verweist auf den Unternehmer- und Fachkräfteservice (UFaS), für deren Aufbau schon die letzte Landesregierung von der IHK kritisiert wurde.
Auch in den geplanten Integrationszentren sieht die Ostthüringer IHK kostenintensive Doppelstrukturen. So seien im Landesarbeitsmarktprogramm 23 regionale Integrationszentren mit jeweils 3 – 4 Coaches vorgesehen. Hier steht die Frage, ob das die ARGEN und Arbeitsagenturen nicht mit leisten können.
19.03.2010
© IHK Ostthüringen zu Gera